Michael Volk – Vom Hobby zum Beruf bis zur Berufung. Der Tierliebhaber, Kundenflüsterer und Musiker

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Bei der IHK-Veranstaltung Marketing meets Digitalisierung erlebten wir Michael Volk, der mit seinem Vortrag über seine Erfahrungen als Jungunternehmer und Betreiber des „Wachtel-Shop“ sprach und welche Marketingmaßnahmen getroffen werden können. Das Publikumsinteresse war so groß und Herr Volk bei der anschließenden Fragerunde so gefragt, dass wir uns mit ihm und seinem Geschäftspartner Nico da Silva zu einem Interview getroffen haben.

Herr Volk: Sie haben Ihr Hobby zum Beruf bis hin zur Berufung gemacht und mit 18 Jahren Ihr Unternehmen gegründet. Wie kam es dazu?

Ich hatte schon immer einen Bezug zu Federvieh und schon als Kind eine schöne Voliere mit Prachtfinken in meinem Zimmer. Hühner haben mich schon immer fasziniert. Bei meinen Recherchen bin ich dann auf Wachteln gekommen und habe mir online die ersten drei Wachteln bestellt, die mit einer Tierspedition angeliefert wurden. Ich hatte sehr viel Freude mit den Tieren. Nach einer gewissen Zeit wusste ich, ich benötige aus Platzgründen eine Wiese. Mit dem Fahrrad habe ich in unserem Wohnort Grundstücke erkundet und konnte tatsächlich von einer Familie die Hälfte eines Grundstückes und eine kleine Hütte als Lagerraum nutzen.

Man hat Ihnen als Fünftklässler „einfach so“ ein Grundstück überlassen?

(Lacht) Nein, „einfach so“ war das nicht. Ich wusste zwar genau was ich will, musste dabei aber sogar auf die Tränendrüse drücken, um zu überzeugen. Aber ich habe es geschafft. Meinem Gegenüber war wichtig, dass der überlassene Platz ordentlich und sauber ist. Die vorhandene Wiese habe ich genutzt, um nach und nach meinen Bestand zu vergrößern. Die Eier habe ich in der Schule an Lehrer und Eltern von Mitschülern verkauft und diese nachmittags mit dem Fahrrad ausgeliefert.

Ich begann damit im Internet eine Informationsseite zu Wachteln anzulegen und meinen ersten Onlineshop. Natürlich alles noch sehr rudimentär im Vergleich zu den heutigen Möglichkeiten. Mein Angebot habe ich dann mehr und mehr erweitert (Futter, Zubehör etc.) und die ganze Familie hat mitgeholfen.

Zum Ende meiner Schulzeit habe ich meinen heutigen Geschäftspartner Nico da Silva kennengelernt. Gemeinsam haben wir beschlossen aus dem Vorhandenen etwas Größeres zu machen und – mit einem Bausparvertrag als Startkapital – ein Unternehmen zu gründen

Wachtel-StartUp
Foto: Wachtel-Shop

Haben Sie die Entscheidung je bereut?

Definitiv nein. Wir sind zwischenzeitlich ein Team von 20 Mitarbeitern und es läuft wirklich gut. Der Weg dahin war aber steinig und wir sind hin und wieder auch an unsere Grenzen gekommen. Haben das eine oder andere Mal den falschen Menschen vertraut… aber bereut habe ich unseren Werdegang noch nie.

Was würden Sie heute anders machen?

Bei Webseite und Webshop habe ich zu lange auf einen Freund gewartet anstatt mich durch eine professionelle Agentur unterstützen zu lassen. Durch den günstigen Freundschaftspreis dachte ich, erst einmal Geld zu sparen. Gerade am Anfang überlegt man sich die Investitionen ja sehr genau. Doch der vermeintlich günstige Preis war mit langen Wartezeiten verbunden, dadurch habe ich sicherlich viel Geld verbrannt. Heute würde ich mich schneller an einen Profi wenden“.

Welchen Rat geben Sie heutigen Unternehmer bzw. Unternehmensgründern mit auf den Weg?

Es reicht nicht aus, einfach nur gut zu sein. Man muss stetig besser werden. Und: Stillstand ist Rückschritt. Wir haben uns unser heutiges (Beratungs-)Wissen nach und nach angeeignet, haben auch Rückschläge erlitten aber daraus auch wiederum gelernt, um anschließend besser zu werden.

Welche Herausforderungen sehen Sie in den nächsten Jahren für Ihr Unternehmen?

 Die richtigen Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Wir sind jetzt an einem Wachstumspunkt, d.h. wir haben soeben einen wichtigen Geschäftspartner in den USA gewinnen können, welcher uns an unsere momentanen Kapazitätsgrenzen bringt. Hier gilt es jetzt kluge Investitionsentscheidungen zu treffen, um diesen Markt bedienen zu können. Alle Bestandskunden erhalten dabei weiterhin die gleiche Aufmerksamkeit und Priorität.

Sie betreiben einen sehr erfolgreichen Online-Shop. Wie wichtig ist in Ihrem Wettbewerbsumfeld der stationäre Handel und der Online-Shop – Sie versenden ja zwischenzeitlich in 35 Länder.

Hier muss man etwas differenzieren. Wir haben zum einen die Tier Oase, unser Ladengeschäft, in welchem unsere Kunden vom Umkreis einkaufen, dieser ist noch nicht online. Das Angebot des Wachtel-Shops ist so speziell, dass dieser Shop nur durch ein rein stationäres Angebot nicht überleben könnte.

Der Musiker und Komponist

Hatten Sie neben Ihrem Interesse für Tiere auch noch andere Ideen, was Sie in Ihrem Leben anfangen möchten?

Ja, in der Tat. Gegen Ende meiner Schulzeit habe ich verschiedene Möglichkeiten recherchiert. Ich spiele mehrere Instrumente, darunter Schlagzeug und Trompete, und ich komponiere. Es gibt auch auf YouTube Veröffentlichungen von mir. Während meines freiwilligen sozialen Jahres in der Krankenpflege in der Psychiatrie habe ich gemerkt, dass mir diese Aufgabe ebenfalls liegt, also gab es Überlegungen in diese Richtung eine Ausbildung zu beginnen. Oder doch im Bereich Komposition von Filmmusik tätig zu werden. Das war eine schwere Entscheidung für mich. Durchgestartet haben Nico da Silva und ich dann mit dem Wachtel-Shop. Privat nehme ich mir jetzt auch wieder vermehrt die Zeit für das Musizieren und Komponieren.

Das Interview führte Sylvia Grünewald, Warmeling Verlag und Medien.


Wachteln

Die europäische Wachtel ist Europas kleinster Hühnervogel und sehr unauffällig. Die Vögel leben im Verborgenen und sind während der Fortpflanzungszeit vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung aktiv. Wachteln sind Bodenvögel und brüten in trockenen Wiesen, auf Ackerland, in Steppen und locker bestandenem Buschland. In Mitteleuropa gehen die Bestände seit vielen Jahren zurück. In Deutschland ist die Wachtel bereits seit vielen Jahren von der Jagd ganzjährig verschont. Wachteleier werden oft als die „gesündesten Eier“ bezeichnet. In Japan und China wird ihnen eine heilende Wirkung zugesprochen. Bei uns sind diese eher als essbare Dekoration bekannt. Sie sind sehr klein und braun-schwarz gepunktet.


 

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